Der HIV Antikörper-Test
Der umgangssprachlich und fälschlicherweise als Aids-Test bezeichnete HIV-Antikörper-Test wurde bereits im Jahre 1984 entwickelt, nicht einmal zwei Jahre nach der Entdeckung des HI-Virus. Es handelt sich hierbei um einen so genannten Bluttest, mit dem anhand der vom Immunsystem gebildeten Antikörper eine Ansteckung mit HIV nachgewiesen wird, nicht aber eine evtl. Aids-Erkrankung.
Ein positives Testergebnis ist für die Betroffenen keineswegs eine gute Nachricht, denn es bedeutet eine positiv verlaufene Suche nach den körpereigenen Abwehrstoffen, d.h. eine bestehende Infektion mit HIV. Den Zeitpunkt der Ansteckung kann man durch den Test nicht erfahren, er kann u.U. schon Jahre zurückliegen. Ebenso wenig kann eine Aussage gemacht werden, ob und wann mit einer Aids-Erkrankung zu rechnen ist.
Ein Testergebnis ist negativ, wenn keine Antikörper gefunden worden sind. Bei der Entscheidung für einen Test muss beachtet werden, dass der menschliche Körper eine gewisse Zeit braucht, um Antikörper zu bilden. Dabei geht man von einem Zeitraum von zwölf bis 16 Wochen aus (diagnostisches Fenster). Ein zu früh durchgeführter Test könnte somit ein falsch-negatives Ergebnis zur Folge haben.
Ein HIV-Antikörper-Test wird von den Gesundheitsämtern normalerweise kostenlos und immer anonym durchgeführt, man braucht seinen Namen bzw. Adresse nicht mitzuteilen.
Einige Gesundheitsämter verlangen etwa 10,00 Euro für einen HIV–Antikörper–Test jedoch gilt diese Regelung nicht bei Einkommensschwachen Personen z.B. Hartz 4 Empfänger oder Sozialhilfeempfänger. Beim Test wird Blut entnommen und auf das Vorhandensein von HIV-Antikörpern untersucht.
Ein HIV-Test ist prinzipiell nur dann sinnvoll, wenn tatsächlich ein Infektionsrisiko bestanden hat, d.h. in erster Linie (im Hinblick auf sexuelle Risiken) nach einem ungeschützten Anal- oder Vaginalverkehr mit einer Person, von der nicht bekannt ist, ob sie HIV-infiziert ist oder von der bekannt ist, dass sie HIV-infiziert ist. Oralverkehr beinhaltet ein geringeres, aber nicht völlig auszuschließendes Übertragungsrisiko, in erster Linie wenn es zur Aufnahme von Sperma oder Vaginalsekret in den Mund kommt.
Falls eine HIV-Infektion übertragen wird, fällt der Nachweis von Antikörpern nach 4 Wochen in ca. 60-65% der Fälle positiv aus, nach 6 Wochen sind ca. 80% der Infektionen nachweisbar, nach 8 Wochen etwa 90% und nach 12 Wochen etwa 95%. Wo zeitlich die Grenze für ein sicheres Testergebnis gezogen wird, ist in gewisser Weise willkürlich. Nach unserer Erfahrung ist es extrem selten, dass eine Infektion erst später als 12 Wochen nach dem möglichen Infektionsereignis nachweisbar wird und es ist durchaus denkbar, dass im einen oder anderen Fall, in dem längere Zeiten berichtet werden, es zwischenzeitlich doch noch ein neues Risiko gab, welches nicht angegeben wurde.
Ist ein Anteil von 5% der Infizierten, bei denen eine Infektion nach etwa 12 Wochen noch nicht nachweisbar ist, nicht sehr viel? Die Angabe fünf Prozent bezieht sich auf alle tatsächlich Infizierten, nicht auf alle untersuchten Personen. In den meisten Einrichtungen, die HIV-Teste durchführen, ist aber nur etwa 1% der Untersuchten oder ein noch geringerer Prozentsatz HIV-positiv, davon sind die meisten schon längere Zeit infiziert, d.h. es handelt sich nicht um frische Infektionen. Personen mit einem frischen tatsächlichen Infektionsereignis (nicht Infektionsrisiko!) machen höchstens 10% der positiv Getesteten aus.
Wenn man unter diesen Vorgaben hochrechnet, ist es etwa einer von 20.000 Untersuchten, bei denen eine frische Infektion nicht bereits nach 12 Wochen nachweisbar ist - auf Grund dieses Zahlenverhältnisses ist es unserer Ansicht nach gerechtfertigt, von einem extrem seltenen Ereignis zu sprechen.
Eine Nachuntersuchung länger als 12 Wochen nach dem möglichen Infektionsereignis ist daher nach unserer Meinung nur in Ausnahmefällen sinnvoll, z.B. aus versicherungsrechtlichen Gründen bei beruflichen Expositionen, oder wenn eine akute grippeähnliche Erkrankung (häufigste Symptome: Fieber, Allgemeinsymptome wie Kopf- und/oder Gliederschmerzen, flüchtiger Hautausschlag /Virusexanthem; unverdächtig ist hingegen eine "Erkältungssymptomatik" mit Husten, Schnupfen, Heiserkeit) ohne offenkundige andere Ursache bis zu sechs Monate nach dem möglichen Infektionsereignis auftritt.
Eine PCR-Untersuchung (direkter Nachweis von viraler Nukleinsäure im Blut), die bei einer Infektion ggf. ein bis zwei Wochen früher positiv ausfällt als der Antikörpertest, wird bei Personen ohne klinische Symptome ausdrücklich nicht zur Diagnostik empfohlen, da dieser Test weniger genau ist als der Antikörpernachweis, d.h. das Risiko ist größer, dass ein solcher Test fälschlicherweise positiv oder fälschlicherweise negativ ausfällt. Darüber hinaus ist die PCR-Untersuchung sehr viel kostspieliger als eine Antikörperuntersuchung.
Ein Test macht erst Sinn ca. 3 Monate nach einem Risikokontakt, so lange dauert es bis sich genügend Antikörper gebildet haben um diese nachweisen zu können.
Etwa 7 Tage später liegt das Testergebnis vor, bei den Gesundheitsämtern werden grundsätzlich keine Ergebnisse telefonisch mitgeteilt — ihr bekommt in der Regel ein Termin mit einem Beratungsgespräch.
Ein persönliches Gespräch ist immer sinnvoll gerade dann, wenn Ihr ein positives Ergebnis mitgeteilt bekommt so habt Ihr einen Ansprechpartner der dir behilflich ist bei der Suche nach einer Aids — Beratungsstellen oder dir allgemeine Tipps geben kann, was du als nächste tun solltest.
Auch wenn der HIV-Antikörper–Test negativ ist bekommst du auch dazu die Antworten beim Gesundheitsamt.
HIV Kontroll-Untersuchungen
Die Wirkung der Kombinationstherapie lässt sich durch verschiedene spezielle Laborwerte und die Viruslastbestimmung inzwischen gut verfolgen und hilft dem behandelnden Arzt, gemeinsam mit dem Patienten Beginn, Änderung oder Fortsetzung der Kombinationstherapie zu bestimmen. Ein frühzeitiges Wissen um die HIV-Infektion (durch einen Test) kann besonders durch diese neuen Möglichkeiten im Interesse des Patienten liegen, um den richtigen Zeitpunkt für eine Therapie nicht zu verpassen.
Diese Kontrolluntersuchungen sind also wichtig und sollten regelmäßig durchgeführt werden! Zu den Kontrolluntersuchungen gehört die Bestimmung verschiedener spezieller Laborwerte, wie zum Beispiel der CD4 Zellen.
Seit einigen Jahren ist es zudem möglich, sowohl die im Blut zirkulierenden als auch die in den Zellen enthaltenen Viren mengenmäßig zu messen. Dieses Verfahren wird Viruslastbestimmung genannt (virusload) und kann nach unterschiedlichen molekularbiologischen Messverfahren durchgeführt werden. Der erfahrene Arzt kann so den Verlauf der HIV-Infektion kontrollieren und mit dem Patienten gemeinsam vorbeugende Behandlungen gegen opportunistische Infektionen oder den Beginn einer antiretroviralen Kombinationstherapie bestimmen.
Wenn die Anzeichen der Schwächung des Immunsystems zunehmen, ist es so möglich, den Patienten vor typischen Infektionen, zum Beispiel vor einer Pneumocystis-Infektion der Lunge, zu schützen.
Weitere neuere Untersuchungsverfahren, wie z. B. die Bestimmung der Resistenzen gegen verschiedene Medikamente, machen es heute möglich, die Wirkung der Medikamente auf den einzelnen Patienten zu beobachten und so einen individuell zugeschnittenen Behandlungsplan zu erstellen.





